Informationen zu dem Bild

 

Hanß Salbaum Bauer zu Enterdorff (heute Enderndorf). Ana seine Hausfrau. ano 1722

 

Dieses ovale Votivbild (190 x 120 cm) stammt aus dem frühen 18. Jahrhundert. Solche Bilder wurden oft als Dank für eine Rettung aus Not oder einer Heilung gestiftet.
Man findet sie meist in Kirchen oder Kapellen. Oft wurden sie aber auch als besonderes Schutzobjekt im Familienbesitz bewahrt.

Dieses Bild befand sich über 300 Jahre lang im Besitz der Familie Salbaum.

Bei einer Wohnungsauflösung unweit von hier hat Herr Rolf Guderle dieses Bild erworben, es restaurieren lassen und somit der Nachwelt erhalten. Es ist eine Leihgabe für die Altstadtfreunde Spalt e.V.

Das Bild stellt eine Teufelsaustreibung (Exorzismus) dar.

→ Der Geistliche (mit Heiligenschein und Stola) steht im Mittelpunkt.

→ Die Besessene (in Blau) wirkt verkrampft. Aus dem Mund fährt ein kleiner, schwarzer, gehörnter Dämon (Teufel) aus. Dies soll eine erfolgreiche Austreibung symbolisieren.

→ Die Stifter Hanß Salbaum links und evtl. ein Familienangehöriger rechts, zeigen ihren Dank für das Eingreifen Gottes durch ihre Gebetshaltung.

Religiöser Rahmen: Im Hintergrund sieht man ein Kruzifix auf einem Altar, was den sakralen Raum (eine Kirche oder Hauskapelle) kennzeichnet.

Stil: Es handelt sich um Laienkunst oder „naive“ Malerei. Die Proportionen und die Perspektive sind nicht korrekt, aber sehr ausdrucksstark und detailliert in der Symbolik.

Bedeutung: Dass das Bild über 300 Jahre im Familienbesitz blieb, zeigt, welchen hohen Stellenwert dieses Ereignis (die vermeintliche Heilung oder Rettung eines Familienmitglieds) für die Familie hatte.


Zur besonderen Bedeutung des Bildes


Lokalwert: Für die Stadt Spalt, für die Altstadtfreunde Spalt e.V. ist das Bild unbezahlbar, da es ein dokumentarisches Zeugnis einer namentlich bekannten Familie und eines spezifischen religiösen Ereignisses von 1722 ist.

Thematik: Teufelsaustreibungen sind als Motiv in der Volkskunst extrem selten. Die meisten Votivbilder zeigen Standard-Szenen (Krankenbett, Sturz vom Wagen). Eine explizite Exorzismus-Darstellung mit ausfahrendem Dämon ist eine Rarität.

Format und Größe: Mit 190 x 120 cm ist es ungewöhnlich groß für ein privates Votivbild.  
Ovale Votivbilder aus dieser Zeit (frühes 18. Jahrhundert) sind in Franken zwar bekannt, aber in dieser monumentalen Größe extrem selten.
Ein ovales Bild war in der Herstellung zudem teurer und aufwendiger als ein rechteckiges. Der Spannrahmen musste von einem Wagner oder Schreiner in Kurvenform gefertigt werden. Das Aufspannen der Leinwand auf eine Rundung erfordert viel handwerkliches Geschick, damit keine Falten entstehen.
Auch der Zierrahmen (der auf Ihren Fotos sehr massiv und schlicht wirkt) musste extra angepasst werden. Die ovale Form und die Größe sind ein Format, das man sonst eher aus herrschaftlichen Häusern oder prunkvollen Kirchen kannte. Das Votivbild sollte also nicht nur ein kleines Dankeszeichen sein. Es wurde als zentrales Andachtsbild für das Bauernhaus der Salbaums konzipiert. Es sollte dort den Status der Familie und die Bedeutung des "Wunders" für jeden Besucher sofort sichtbar machen.

Kunsthistorisches zu diesem Bild

→ Der „Fenster-Effekt
In der religiösen Symbolik wirkt ein Oval oft wie ein „Auge“ oder ein Blick in eine andere Welt. Da das Bild eine Teufelsaustreibung – also ein übernatürliches Ereignis – zeigt, verstärkt der ovale Rahmen den Eindruck, dass der Betrachter durch eine Öffnung Zeuge eines göttlichen Wunders wird. Es hebt die Szene aus dem profanen, eckigen Alltag heraus.

Barocker Zeitgeschmack
Im Jahr 1722 befand sich die Kunst mitten im Barock. Während rechteckige Bilder eher als „Standard“ galten, war das Oval eine sehr beliebte Form für repräsentative Darstellungen. Es wirkt dynamischer, eleganter und weniger starr. Es signalisiert sofort, dass es sich um ein besonderes Auftragswerk handelt und nicht um Massenware.

Die Symbolik der roten Augen und Hände
Rote Augen: Sie stehen traditionell für das "Höllenfeuer", aber auch für Zorn, Bosheit und eine unnatürliche, besessene Energie. Es sollte dem Betrachter des Jahres 1722 klarmachen, dass hier kein harmloses Fabelwesen, sondern das personifizierte Böse dargestellt ist.
Rote Handflächen: Das ist ein selteneres, aber sehr sprechendes Detail. Rot an den Händen symbolisierte oft Blutschuld oder die zerstörerische Kraft. Es zeigt, dass der Dämon "zugreift" und Schaden anrichtet. In der Volkskunst wurden Körperenden von Teufelsgestalten oft farblich abgesetzt (oft auch als Krallen), um deren tierhafte und gefährliche Natur zu betonen.
Da das Bild mit 190 x 120 cm sehr groß ist, müssen diese rot leuchtenden Punkte des kleinen Dämons im Kontrast zum restlichen, eher erdfarbenen Gemälde wie kleine Warnsignale gewirkt haben. Es zieht den Blick sofort auf das Zentrum des Geschehens: den Moment der Befreiung.

Ovale Bilder wurden in dieser Zeit oft für ganz bestimmte Plätze angefertigt.
Aufsatzbilder: In Kirchen oder Kapellen wurden ovale Gemälde häufig als oberer Abschluss (Auszug) eines Altars oder über Portalen verwendet.
Wandnischen: In wohlhabenden Bauernhäusern gab es oft architektonische Nischen oder Stuckrahmen an den Wänden oder Decken, die exakt für solche Formate vorgesehen waren.

Hausaltäre: Es ist gut möglich, dass das Bild das Herzstück eines privaten Andachtsplatzes im Haus der Familie Salbaum war.
Dass das Bild keine Signatur hat war damals Absicht.

Demut: Ein Votivbild war ein Dank an Gott oder einen Heiligen. Der Name des Malers hätte vom eigentlichen Zweck abgelenkt.

Stilmerkmale: Kunsthistoriker ordnen solche Bilder eher über den Stil (z.B. die Art, wie die Gesichter schattiert sind oder wie der Teufel dargestellt wird). Man nennt diese unbekannten Maler dann oft nach ihrem Hauptwerk, z.B. „Meister von Heiligenblut“.

Handwerkliches / technisches zu dem Bild

→ Dass die Leinwand des Bildes auf einer Breite von 120 cm (oder gar 190 cm, je nachdem wie der Stoff geschnitten wurde) ohne Naht auskommt, ist für das frühe 18. Jahrhundert höchst ungewöhnlich. Damals waren die gängigen Webstühle oft nur auf Breiten zwischen 60 cm und 90 cm ausgelegt.

→ Die Familie Salbaum hat vermutlich eine sehr teure, extra breit gewebte Leinwand erworben. Solche Spezialanfertigungen waren kostspielig und unterstreichen erneut den Wohlstand der "Bauern zu Enterdorff". Es könnte sich um feines Leinen handeln, das auf einem sogenannten "Breitwebstuhl" gefertigt wurde, wie sie damals nur in spezialisierten Textilzentren (vielleicht im Nürnberger Raum) existierten.

→ Die hervorragende Vorbereitung zeigt zudem, dass der Maler sehr sorgfältig gearbeitet hat. Er hat die Leinwand so perfekt grundiert, dass die Struktur des Gewebes heute – nach der Reinigung – eine absolut homogene Fläche bildet.

→ Bei Votivtafeln dieser Qualität handelt es sich meist um Auftragsarbeiten bei den ortsansässigen Meistern. Für Spalt kommen im frühen 18. Jahrhundert vor allem Maler in Frage, die auch für das Chorherrenstift St. Nikolaus oder die Franziskaner in Heiligenblut arbeiteten.

Religiöses, kirchengeschichtliches zu dem Bilde

Teufelsaustreibung im Kloster Heilig Blut in Spalt durchgeführt?
Es gibt eine sehr hohe Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ereignis mit dem Kloster Heilig Blut (oder der dortigen Wallfahrt) in Verbindung steht, auch wenn das Bild selbst nur das Ergebnis zeigt.
Es ist bekannt, dass Wallfahrer bei der Heilig-Blut-Kapelle (die auf eine Hostienlegende von 1444 zurückgeht) Heilung von Krankheiten und Besessenheit suchten.
Das Jahr 1722 markiert die absolute Blütezeit der Wallfahrt Heilig Blut.
Genau in diesem Jahr (ab 1721) wurde die Klosteranlage massiv ausgebaut, da der Zustrom an Pilgern (bis zu 14.000 Beichtende pro Jahr!) enorm war.
Die Franziskaner als Seelsorger: Das Kloster wurde von Franziskanern betreut. Diese waren im 18. Jahrhundert bekannt für ihre volksnahe Seelsorge und führten in Fällen von "Besessenheit" (was man damals oft unter psychischen Krankheiten oder schweren Krampfanfällen verstand) religiöse Rituale und Segnungen durch.
Votivcharakter: Das Bild ist ein klassisches "Dankesbild". Dass es im Haus der Familie Salbaum in Spalt hing, spricht dafür, dass die Heilung (die Austreibung) als ein lokales Wunder wahrgenommen wurde, das man der Fürbitte an diesem heiligen Ort zuschrieb. Der Priester auf dem Bild könnte durchaus einer der dortigen Franziskaner-Patres sein.


Die Familie Salbaum und Enterdorff


Enterdorf: Damit ist der heutige Spalter Ortsteil Enderndorf (am Brombachsee) gemeint. In der Schreibweise des 18. Jahrhunderts war "Enterdorff" absolut üblich.

Status der Familie: Die Bezeichnung "Bauer zu Enterdorff" und die Tatsache, dass sie sich ein so großes (190 x 120 cm!), professionell gemaltes Ölgemälde leisten konnten, zeigt, dass die Salbaums eine wohlhabende und angesehene Bauernfamilie waren. Ein Bild dieser Größe war damals ein Luxusgut.

Genealogie: Der Name Salbaum ist in der Region Spalt/Enderndorf bis heute tief verwurzelt. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die heutigen Salbaums in Spalt direkte Verwandte dieses Hanß Salbaum sind.

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Wir, die Altstadtfreunde Spalt e.V. stehen erst am Anfang unserer Nachforschungen zu diesem Bild. Vielleicht können Sie uns dabei helfen, noch mehr zu erfahren. Wir freuen uns auf Ihre Unterstützung!


Anmerkung: Dieser Text wurde auch mit Unterstützung von KI generiert.